Ab einem Alter von 15 Jahren können Junge Menschen zum Rover werden. Rot ist die Erkennungsfarbe der Stufe.

Treffen: Montag 19:00 – 20:30 Uhr
Leiter: Christoph Tilch

Im Roverinnenalter ist es unausweichlich, in verschiedenen Bereichen Verantwortung zu übernehmen. Jugendliche müssen Verantwortung für sich selbst übernehmen und bewusst Entscheidungen treffen, die Konsequenzen für ihren weiteren Lebensweg haben. Viele Entscheidungen wirken sich nicht nur auf sie selbst aus, sondern auch auf andere. Diese Auswirkungen zu bedenken bedeutet auch, für andere Verantwortung zu übernehmen. Im Stamm wird deutlich, dass Roverinnen mit und in ihrer Runde Dinge tun können, die in den anderen Stufen noch nicht möglich sind. Die Roverinnen erkennen ihre Freiheiten und nutzen die sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Es wird von ihnen allerdings auch erwartet, dass sie mehr Verantwortung für den Stamm übernehmen und Vorbilder für die Jüngeren sind. Roverinnenrunden bringen sich im Verband und in ihrem weiteren Umfeld ein. Beispiele dafür sind die Übernahme von Aufgaben bei Stammesveranstaltungen oder die Mitarbeit in der Roverstufe auf Bezirks- oder Diözesanebene. Roverinnen können sich außerdem außerhalb des Stammes gesellschaftlich in ihrer Gemeinde oder Kommune engagieren. Sie nutzen die Chance Kirche, als Christinnen aktiv mitzugestalten oder Politik zu erleben und bringen auch ihre Bedürfnisse, Sichtweisen und Zweifel ein. Dabei erfahren sie Reaktionen auf ihr eigenes Handeln, mit denen sie umgehen müssen. Sie überprüfen und schärfen dadurch ihren eigenen Standpunkt. So lernen sie, ihren Handlungsspielraum realistischer einzuschätzen.

Zentrales Element der Roverinnenzeit sind gemeinsame Aktionen mit und in der Runde. Die Runde ist dabei der geschützte Raum, in dem diese Aktionen entwickelt und umgesetzt werden. Roverinnen haben immer den Anspruch, das Unmögliche zu tun und die Dinge neu und anders zu denken. Die Leiterinnen animieren die Gruppe, ihre Komfortzone zu verlassen, und geben Impulse, um neue Chancen und Möglichkeiten zu sehen und zu nutzen. Ausprobieren und Machen spielen in der Roverinnenzeit eine wesentliche Rolle und geben jeder*jedem Einzelnen die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Bei gemeinsamen Aktionen wer- den bestehende Fähigkeiten ausgebaut und neue hinzugewonnen. Teil dieser Entwicklung ist auch die Auseinandersetzung in der Gruppe, wenn Ziele nicht erreicht werden können oder eine Aktion zu scheitern droht. Solche Momente des Scheiterns werfen oft Fragen nach dem Sinn auf, bezogen auf die Sachebene wie auch im spirituellen Kontext. Der Umgang damit bietet Wachstums- potenzial für die Einzelnen und die Gruppe auf mehreren Ebenen.

Die DPSG ist Teil der weltweiten Pfadfinderinnenbewegung. Damit Roverinnen sich als Teil dieser verstehen, ist das Unterwegssein elementarer Bestandteil der Roverinnenzeit. Teil dieses Unterwegsseins ist die Begegnung von Roverinnen mit anderen Pfadfinderinnen, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen und Religionen. Selbstständig die Welt zu entdecken und damit den eigenen Horizont zu erweitern, stellt eine Grundlage für die persönliche Weiterentwicklung dar. Roverinnen machen sich auf den Weg, ihre Runde bietet dabei Rückhalt und Orien­ tierung. Andere Pfadfinderinnen zu treffen und zu erfahren, was es heißt, mit Millionen von Pfadfinderinnen weltweit gleiche Werte zu teilen, ist unverzichtbarer Bestandteil der Roverinnenzeit. Unterwegs entstehen neue Kontakte und Freundschaften, die über die Roverinnenzeit hinaus bestehen und das persönliche Netzwerk erweitern. Rover*innen lernen, dieses Netzwerk aufzubauen, zu pflegen

Am Ende der Roverstufe sollen junge Erwachsene selbstständig ihr Leben in die Hand nehmen können. Erwachsene Leiterinnen unterstützen die Jugendlichen dabei auf ihrem Weg. Sie ermöglichen ein sicheres Umfeld, in dem die Jugendlichen neue Dinge ausprobieren. So entwickeln sie sich nach dem Prinzip „Learning by Doing“ weiter und übernehmen mehr und mehr Verantwortung. Dieses Umfeld muss durch dieden Leiterin geschützt werden. Allzu leicht werden Roverinnen im Stamm viele Aufgaben übertragen. Dabei muss beachtet werden, dass sie die Freiheit behalten, „nein“ zu sagen. Roverinnen haben, wie die Mitglieder anderer Stufen auch, ein Recht auf Selbstbestimmung. Der Alltag der Roverinnen ist geprägt von Umbrüchen. Sie dürfen und müssen viele Entscheidun- gen mit großer Tragweite treffen, bei denen sie sich nicht alleine gelassen fühlen sollen. Es ist für sie wichtig zu wissen, dass sich ihre Leiterinnen für ihre Themen, Sorgen und Nöte interessieren. Darüber hinaus können Leiterinnen durch ihren eigenen Lebensweg eine Orientierung für die Jugendlichen geben. Roverinnenrunden haben manchmal einfach Lust, nichts zu tun. Phasen des Stillstands, der Untätigkeit oder Lustlosigkeit sind normal. Mithilfe von passenden Methoden können Leiterinnen die Jugendlichen dazu motivieren, wieder neue Projekte anzugehen. Roverstufenleiterinnen geben den Jugendlichen dabei keine Lösungen vor, sondern unterstützen sie darin, eigene Lösungsstrategien zu entwickeln und auszuprobieren. Für die Roverinnen ist es eine wichtige Erfahrung für das Leben als Erwachsene, aus eigener Kraft Neues geschaffen zu haben.

Das Zitat ermutigt dazu, viele Dinge auszuprobieren. Die Roverstufe bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, die in diesem Alter neu gewonnene Freiheit reichlich auszuprobieren. Diese Freiheit motiviert die Mitglieder, neue Projekte, Fahrten und andere Unternehmungen anzugehen. Oft können Roverinnen die Erfahrung machen, dass man selbst die verrücktesten Dinge erreichen kann („If you can dream it, you can do it!“). Aus diesen positiven Erfahrungen schöpfen die Roverinnen Motivation für ihr ganzes weiteres Pfadfinderinnenleben. Sollte ein Projekt einmal nicht gelingen, ist es Aufgabe derdes Roverstufenleiter*in, eine Atmosphäre zu schaffen, um aus den gemachten Erfahrungen lernen zu können.

Stil und Kultur sind fester Bestandteil der Identität der Roverstufe und schaffen eine Atmosphäre, in der sich die Roverinnen wohl fühlen. Dies zieht sich durch den gesamten Lebenszyklus einer Roverinnenrunde: von der Aufnahme in die Gruppe über das Arbeiten und Feiern bis hin zur Verabschiedung. Unter Stil und Kultur werden Zeichen, Rituale und Symbole verstanden, die einerseits von jeder einzelnen Roverinnenrunde selbst, andererseits von der gesamten Roverstufe gestaltet und gelebt werden. Dieser eigene Stil und die eigene Kultur schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl und stärken die Gemeinschaft. So können sich Roverinnen bewusst mit der Runde und der Stufe, zu der sie gehören, identifizieren. Das schafft ein Gefühl von Eigenständigkeit und Einzigartigkeit. Stil und Kultur drücken sich ebenso in Formen aus, das Leben in Freizeit, Gruppe oder Gottesdienst gemeinsam zu feiern. Mit ihren eigenen Feierformen bereichert die Roverstufe unseren Verband und ebenso Gesellschaft und Kirche – selbst wenn sie diese damit herausfordern sollten.